Lohnt sich die Mietpreisbremse? So vergleichen Sie Conny und andere Legal-Tech-Angebote

von 09.09.2026September 21st, 2026No Comments

Lohnt sich die Mietpreisbremse für Sie? Erfahren Sie, wie hoch Ihr wirtschaftlicher Vorteil sein kann und worauf Sie bei den Kosten von Conny und anderen Legal-Tech-Angeboten achten sollten.

Wer feststellt, dass die eigene Miete möglicherweise gegen die Mietpreisbremse verstößt, steht schnell vor zwei Fragen: Wie viel Geld kann ich damit eigentlich sparen – und wie setze ich meine Ansprüche am besten durch?

Die zweite Frage ist wichtiger, als sie zunächst erscheint. Denn neben Rechtsanwält:innen und Mietervereinen gibt es inzwischen verschiedene Legal-Tech-Anbieter, die mit einer Durchsetzung ohne eigenes Kostenrisiko werben. Häufig fällt eine Vergütung nur dann an, wenn die Mietsenkung tatsächlich erfolgreich ist.

Das klingt zunächst unkompliziert. Die Geschäftsmodelle unterscheiden sich allerdings erheblich. Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob sich die Mietpreisbremse lohnt, sondern auch, wie viel vom wirtschaftlichen Vorteil nach den Kosten der Durchsetzung tatsächlich bei Ihnen verbleibt.

Wie viel kann Ihnen die Mietpreisbremse bringen?

Der Wert einer erfolgreichen Mietsenkung wird häufig unterschätzt. Viele Mieter:innen denken zunächst nur an die Miete, die sie in der Vergangenheit zu viel gezahlt haben.

Tatsächlich können drei verschiedene wirtschaftliche Vorteile zusammenkommen:

  • die Rückzahlung bereits überzahlter Miete,
  • weitere Rückzahlungen für die Zeit bis zur tatsächlichen Mietsenkung,
  • die zukünftige Ersparnis durch eine dauerhaft niedrigere Miete.

Gerade der letzte Punkt kann den größten Teil des wirtschaftlichen Vorteils ausmachen.

Ein Beispiel: Ihre Miete ist 250 Euro zu hoch

Angenommen, Sie zahlen monatlich 250 Euro mehr als nach der Mietpreisbremse zulässig. Können Sie für 30 Monate bereits gezahlte Miete zurückverlangen, entspricht das 250 Euro × 30 Monate = 7.500 Euro.

Nun wird die Miete aber normalerweise nicht am Tag der ersten Geltendmachung abgesenkt. Vergehen beispielsweise weitere sechs Monate bis zur tatsächlichen Mietsenkung, kommen noch einmal hinzu: 250 Euro × 6 Monate = 1.500 Euro.

Damit geht es bereits um 9.000 Euro Rückzahlung.

Noch größer kann der langfristige Effekt sein. Bleiben Sie nach der Mietsenkung weitere fünf Jahre in der Wohnung, sparen Sie: 250 Euro × 12 Monate × 5 Jahre = 15.000 Euro.

Der gesamte wirtschaftliche Vorteil beträgt in diesem Beispiel damit: 7.500 Euro + 1.500 Euro + 15.000 Euro = 24.000 Euro.

Eine Mietsenkung von vermeintlich „nur“ 250 Euro im Monat kann also über die Jahre einen Unterschied von mehreren zehntausend Euro machen.

Lohnt sich die Mietpreisbremse also immer?

Grundsätzlich liegt der Gedanke nahe, aber die Höhe der möglichen Mietsenkung ist nur einer von mehreren Faktoren.

Entscheidend ist unter anderem, wie viel Miete tatsächlich zurückgefordert werden kann, wie lange Sie voraussichtlich noch in der Wohnung wohnen, welche rechtlichen Ausnahmen möglicherweise greifen und welche Kosten bei der Durchsetzung entstehen.

Gerade deshalb lohnt es sich, nicht nur die Erfolgsaussichten, sondern auch das gewählte Durchsetzungsmodell genauer anzusehen.

Was kosten Conny und andere Legal-Tech-Angebote?

Legal-Tech-Anbieter haben die Durchsetzung der Mietpreisbremse für viele Mieter:innen erheblich vereinfacht. Statt selbst einen Prozess zu finanzieren, können Ansprüche je nach Anbieter gegen eine Erfolgsbeteiligung durchgesetzt werden.

Das Grundprinzip klingt häufig ähnlich: Ist die Durchsetzung nicht erfolgreich, entsteht kein oder nur ein begrenztes eigenes Kostenrisiko. Im Erfolgsfall erhält der Anbieter eine Vergütung.

Wie diese Vergütung berechnet wird, kann sich jedoch erheblich unterscheiden.

Ein Anbieter kann beispielsweise einen Anteil an zurückgezahlter Miete verlangen. Andere Vergütungsmodelle beziehen zusätzlich die zukünftige Mietersparnis ein. Unterschiede bestehen außerdem darin, welche außergerichtlichen und gerichtlichen Leistungen umfasst sind und wer im Streitfall das Prozesskostenrisiko übernimmt.

Deshalb reicht es nicht, lediglich danach zu fragen:

„Wie hoch ist die Erfolgsprovision?“

Die wirtschaftlich wichtigere Frage lautet:

„Wie viel meines gesamten Vorteils bleibt am Ende bei mir?“

Was hat das sogenannte Conny-Urteil damit zu tun?

Genau diese Frage ist inzwischen auch Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen geworden.

Das Amtsgericht Berlin-Mitte erklärte mit Urteil vom 24. November 2025 (Az. 113 C 5049/25) die Abtretung von Ansprüchen aus der Mietpreisbremse an das Legal-Tech-Unternehmen Conny wegen Sittenwidrigkeit für nichtig. Das Gericht sah ein besonders auffälliges Missverhältnis zwischen der vereinbarten Erfolgsvergütung und der dafür erbrachten Leistung.

Das Urteil bedeutet allerdings nicht, dass das Geschäftsmodell von Conny oder erfolgsbasierte Legal-Tech-Angebote generell unzulässig wären. Die Entscheidung ist juristisch umstritten, und andere Gerichte können die Frage anders beurteilen.

Für Mieter:innen ist an dem Verfahren deshalb etwas anderes besonders interessant: Es lenkt den Blick auf den tatsächlichen Preis einer erfolgreichen Durchsetzung.

Denn bei einem Anspruch, der über die Jahre beispielsweise einen wirtschaftlichen Vorteil von 10.000, 20.000 oder sogar 30.000 Euro erzeugt, kann die konkrete Ausgestaltung der Erfolgsvergütung einen erheblichen Unterschied machen.

Conny, Legal Tech, Anwalt oder Mieterverein: Was sollte ich vergleichen?

Ein niedriger Preis allein macht ein Angebot noch nicht besser. Umgekehrt muss eine höhere Erfolgsbeteiligung nicht automatisch unwirtschaftlich sein, wenn dafür beispielsweise ein erhebliches Kostenrisiko übernommen wird.

Wer verschiedene Möglichkeiten vergleicht, sollte deshalb vor allem fünf Fragen beantworten:

  • Welche Vergütung fällt bei Erfolg insgesamt an?
  • Bezieht sie sich nur auf Rückzahlungen oder auch auf die zukünftige Mietersparnis?
  • Welche Leistungen sind von der Vergütung umfasst?
  • Wer trägt die Kosten, wenn ein Gerichtsverfahren notwendig wird?
  • Wie viel des gesamten wirtschaftlichen Vorteils verbleibt am Ende bei mir?

Gerade der letzte Punkt ermöglicht einen sinnvollen Vergleich.

Warum das Kostenrisiko trotzdem wichtig ist

Die günstigste Erfolgsvergütung hilft wenig, wenn Mieter:innen dafür ein erhebliches eigenes Prozesskostenrisiko übernehmen müssen.

Wer einen Rechtsstreit selbst führt und vollständig verliert, muss grundsätzlich mit Gerichtskosten sowie eigenen und gegebenenfalls erstattungsfähigen gegnerischen Anwaltskosten rechnen.

Dieses Risiko kann auf unterschiedliche Weise abgesichert werden. Eine Rechtsschutzversicherung kann die gesetzlichen Kosten übernehmen. Auch über Mietervereine bestehen teilweise Rechtsschutzmöglichkeiten. Unter bestimmten Voraussetzungen kann Prozesskostenhilfe in Betracht kommen. Daneben gibt es Legal-Tech- und Prozessfinanzierungsmodelle, bei denen ein Dritter das wirtschaftliche Risiko der Rechtsverfolgung übernimmt.

Deshalb sollten Preis und Risiko immer gemeinsam betrachtet werden.

Wann lohnt sich die Mietpreisbremse für mich?

Am Ende lässt sich die Frage mit einer relativ einfachen Rechnung beantworten.

Stellen Sie dem möglichen wirtschaftlichen Vorteil Ihrer Mietsenkung die Kosten und Risiken der Durchsetzung gegenüber.

Je höher Ihre monatliche Mietüberhöhung ist, je mehr Miete Sie zurückverlangen können und je länger Sie voraussichtlich noch in Ihrer Wohnung bleiben, desto größer kann der wirtschaftliche Wert einer erfolgreichen Mietsenkung sein.

Bei der Wahl eines Anbieters sollten Sie deshalb nicht allein darauf achten, ob mit „kostenlos“, „ohne Vorkosten“ oder „nur im Erfolgsfall“ geworben wird. Entscheidend ist, was Sie für die vereinbarte Vergütung bekommen – und wie viel Ihrer Mietersparnis anschließend tatsächlich Ihnen gehört.

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